Was ist Biopack & Transport?


Das internationale ZIM-Kooperationsnetzwerk „Biopack&Transport“ ist am 1. September 2019 an den Start gegangen. In ihm sind bisher 12 kleine und mittelständische Unternehmen – davon zehn deutsche und zwei französische – sowie drei Forschungseinrichtungen zusammengeschlossen. Bereits jetzt wird das Netzwerk ausgebaut und wächst stetig.

Ziel des Netzwerks ist es, das Potenzial fasergebundener, ökologischer Verpackungen als Ersatz für Plastikverpackungen weiter zu erschließen und zudem für den Bereich der Transportverpackungen zu öffnen. Die Verpackungen sollen kompostierbar und kreislauffähig gemacht werden. Dabei soll ein Schwerpunkt auf der Entwicklung intelligenter Verpackungen liegen, also solchen, die den Zustand der darin befindlichen Lebensmittel – beispielsweise deren Frische – überwachen und dazu Informationen liefern. Dies ist vor allem für hochwertige Lebensmittel interessant, da hier großer Wert auf einen besonderen, qualitätssichernden Schutz der Ware gelegt wird. Für den Bio-Bereich ist zudem der Einsatz umweltfreundlicher Verpackungen ein Muss.

Frankreich ist ein Land regionaler Spezialitäten und bietet somit für den Online-Handel hervorragende Entwicklungsmöglichkeiten. Durch die Einbeziehung der französischen Partner in das Netzwerk ergeben sich für die deutschen Partner hervorragende Brücken in Form von Industriekontakten und Forschungszusammenschlüssen. Diese ermöglichen es ihnen, neue Märkte im Nachbarland zu erschließen.

Neben der Entwicklung innovativer Verpackungen hat sich das Netzwerk zum Ziel gesetzt, Innovationen anzustoßen, die es ermöglichen, sowohl Unternehmen als auch Verbrauchern transparente Informationen über den Transport zur Verfügung zu stellen und die Integration der Daten in eine Blockchain-Technologie vorzubereiten.

Welche Ansätze werden verfolgt?

Das Thema „nachhaltiger Transport“ in Zusammenhang mit digital betriebener Logistik wird auch mit Blick auf den demografischen Wandel und die Entwicklung ländlicher Räume immer bedeutender. Die Gesellschaft altert, zugleich gehen wichtige Einrichtungen der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum verloren, da sich das Betreiben von Lebensmittelgeschäften, Arztpraxen oder Apotheken aufgrund der schrumpfenden Bevölkerung häufig nicht mehr lohnt. Smarte Logistiklösungen sind gefragt, mit denen die Versorgung aller Bevölkerungsschichten an jedem Standort nachhaltig gewährleistet werden kann.

Die Vision des Netzwerks ist eine nachhaltige Verpackungswelt, die auch digital integriert ist. Die Basis sollen ökologische Grundmaterialien bilden, wobei der Schwerpunkt auf fasergebundenen Verpackungen liegt. Die Rohstoffe hierfür sollen überwiegend aus einjährigen Pflanzen stammen. Damit könnte die Papierindustrie, die durch die Digitalisierung im Grafikbereich in den vergangenen Jahren rund 20 Prozent ihres Marktanteils verloren hat, Märkte zurückerobern. Zudem könnte so der globale Anfall von Plastikmüll reduziert werden.

Auch die geplanten Innovationen in der Entwicklung funktionaler Oberflächen konzentrieren sich ausschließlich auf solche Materialien, die in der Papier-, Pappe-, Karton(PPK)-Fraktion entsorgt werden können. Dabei kommen zwei ökologische Vorteile zum Tragen: Zum einen werden ausschließlich Reststoffe einjähriger Pflanzen eingesetzt, die chemisch unbelastet sind und die „ohnehin anfallen“; zum anderen besteht im PKK-Strom eine hohe Recyclingquote, und die Rezyklate werten den Prozess durch ihre unbelastete Faserstruktur qualitativ auf.

Wer kann teilnehmen?

Das Netzwerk eignet sich für kleine und mittlere Unternehmen mit Bezug zu Verpackungs- bzw. Transportthemen – Produzenten und Lieferanten, Unternehmen aus Messtechnik und Verfahrenstechnik sowie aus der Lebensmittelbranche –, die an Produktentwicklung, Markterweiterung, branchenübergreifender interdisziplinärer Zusammenarbeit und Vernetzung interessiert sind.

Wer sind die Partner?

Aktuell nehmen an Biopack&Transport 12 Unternehmen und fünf Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Frankreich teil:

Creapaper GmbH

Das Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Hennef hat ein Verfahren zur Herstellung von Fasern aus Gras entwickelt. Der Rohstoff wird rein mechanisch gefertigt und kann Frisch- und Altpapierfasern ressourcenschonend ersetzen. Die Creapaper GmbH wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem „IKU Innovationspreis für Klima und Umwelt 2017“, dem „KfW-Award Gründen 2017“ und der „Seal of Excellence 2018“ der Europäischen Kommission. Zudem wurde es zu den „Red Herring Top 100 Europe 2019“ gekürt. Im Netzwerk soll Creapaper weitere Reststoffe wie Hopfen und Hanf für Papier- und Faserprozesse aufbereiten.

Easy2cool GmbH

Die Münchener easy2coolGmbH bietet maßgeschneiderte Kühlsysteme aus recyceltem Altpapier für Transport und Logistik sowie für Endverbraucher an. Ihre günstige Alternative zu Styropor kann komplett im Papier-, Pappe-, Karton (PKK)-Strom entsorgt werden. Für seine temperaturgeführte Verpackung COOLandFREEZE wurde das Unternehmen mit dem „IF Design Award 2018“ und dem „Innovationspreis Wellpappe“ ausgezeichnet.

EcoCool GmbH

1999 gegründet, hat die EcoCool GmbH mit ihren innovativen Verpackungs- und Isolierkonzepten gleich im ersten Jahr ihres Bestehens den Bremerhavener Gründerpreis gewonnen. Die Verpackungslösungen werden von Kunden aus den Bereichen Pharmazie und Lebensmittel-Internetversand sowie von Speditionen und Logistikern genutzt. Die Expertise des Unternehmens zu klassischer Kühlverpackung soll sukzessive in die Entwicklung ökologischerer Varianten überführt werden. Dabei kommt dem Netzwerk zugute, dass die bisherigen Erfahrungen zu spezifischen Materialeigenschaften und zu Marktbedingungen mit Blick auf unterschiedliche Käuferschichten detailliert ausgewertet werden können.

Ekolis

Das im bretonischen Châteaugiron ansässige Unternehmen Ekolis ist eine Software-Schmiede, die Transportdaten für LKWs verfügbar bzw. auslesbar macht. Diese Anwendung will das Unternehmen nun auch für kleinere Einheiten zur Verfügung stellen. Anwendungen für Paletten liegen bereits vor, der Weg zu noch kleineren Anwendungen ist bereits in der Entwicklungslinie festgeschrieben. Damit ist Ekolis ein idealer Partner für die weiteren Netzwerkfirmen, die mit passender Hardware oder entsprechenden Plattformen eine Gesamtanwendung realisieren können.

Gut Wulksfelde Lieferservice GmbH

Die Gut Wulksfelde Lieferservice GmbH aus Tangstedt im Norden Hamburgs hat seit über 30 Jahren Erfahrung im Vertrieb von „Bio-Kisten“. Die Kunden werden direkt beliefert, wodurch die Frische der Lebensmittel garantiert wird. Das Unternehmen ist besonders interessant für die Erprobung neuartiger Versand-Verpackungen, da die gesamte Lieferkette vom Wareneingang bis zur Auslieferung beim Kunden überwacht werden kann. Mit dieser Logistik-Expertise sollen plastikfreie Umverpackungen entwickelt werden, die ein hohes Maß an Lebensmittelqualität gewährleisten. Integriert werden sollen darin neue Elemente zur Kühlkettenüberwachung und zum Tracking.

Leinos – Reincke Naturfarben GmbH

Die Reincke Naturfarben GmbH stellt ökologische, toxikologisch unbedenkliche Naturfarbenprodukte her. Als Spezialist mit jahrelanger Erfahrung in der Naturstoffchemie ist es dem 1985 unter dem Namen Leinos Naturfarben gegründeten Unternehmen gelungen, Qualität und Ökologie auf der Basis von Naturrohstoffen zu verbinden und Farben, Lasuren und Pflegeprodukte von höchster Verträglichkeit herzustellen. Die Integration der Expertise des Unternehmens für den Bereich „healthy printing“ ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer ganzheitlich ökologischen Verpackung.

Meteolytix GmbH

Die in Kiel ansässige Meteolytix GmbH befasst sich seit 2009 mit der Entwicklung von spezialisierten Prognosemodellen. Kunden sind unter anderem Bäckereien, Getränkehandel und Logistikunternehmen, für die das Unternehmen mit Hilfe von Algorithmen die Absatzplanung und den Personaleinsatz optimiert. Die von Meteolytix zugesteuerten Attribute sind wichtige Bausteine einer offenen Datenstruktur, die im Rahmen des Netzwerks mit weiteren Informationen über die Transportgüter angereichert werden sollen. Das Unternehmen verfügt zudem über eine für den Lebensmittelversand interessante Spezialisierung im Bereich Wetterdaten.

Popular Packaging Design

Das junge Hamburger Unternehmen Popular Packaging Design entwickelt nachhaltige Verpackungslösungen für sogenannte Fast Moving Consumer Goods. Auf der Fachpack 2019 hat Popular Packaging Design den „Nachhaltigkeitspreis für junge Unternehmen“ erhalten. Als gestaltender Teil im Innovationsprozess stellt das Designbüro das Bindeglied zwischen Produktion und Kunde dar. Neben den Entwicklungsarbeiten an innovativen Verschlussmöglichkeiten für die neuen Werkstoffe besteht auch die Möglichkeit, Prototypen mit neuen Werkstoffen zu kreieren, die den Netzwerkpartnern gute Präsentationsmöglichkeiten auf Messen etc. geben.

ProcSea

Das französische Unternehmen ProcSea betreibt eine Online-Plattform für den Versand von Frischfisch. Innerhalb von 24 Stunden wird der Fisch aus den überwiegend bretonischen Fanggebieten zu den Restaurants in Frankreich, der Schweiz und den Niederlanden gebracht. Über die Internetplattform wird der Handel ohne Zwischenhändler und damit direkt und schnell abgewickelt. Auch größtmögliche Transparenz – in diesem Fall zur Herkunft der Fische und zur Fangmethode – ist gegeben. Damit ist die Firma ein idealer Entwicklungspartner, um intelligente Transportverpackungen für ein teures, empfindliches und zudem schweres Transportgut zu realisieren. Mit ProcSea soll im Netzwerk eine der ersten nachhaltigen Frischfischverpackungen entwickelt und getestet werden.

Richter & Hess Verpackungsservice GmbH

Die Richter & Hess Verpackungsservice GmbH verfügt über eine eigene Fertigung von Wellpappenerzeugnissen für die Industrie. Hierfür steht am Firmenstandort in Chemnitz ein moderner Maschinenpark für das Bedrucken (Flexodruck), Schneiden, Rillen, Stanzen und Verschließen (Kleben, Tapen, Heften) zur Verfügung. Das Produktportfolio umfasst Faltschachteln nach FEFCO-ESBO-Code, Sonderkonstruktionen und Großverpackungen sowie kundenspezifische Lösungen (inklusive Gefache, Einlagen und Zuschnitte). Die Firma möchte im Netzwerk an gedruckten Verstärkungen aus Naturstoffen arbeiten.

SES RFID Solutions GmbH

Die SES RFID Solutions GmbH ist einer der weltweit führenden Anbieter von Lösungen auf dem Gebiet der Radio Frequency Identification (RFID), also der radiowellenbasierten Sender-Empfänger-Systeme. Das Leistungsprofil umfasst kupfergewickelte Antennen mit 125 kHz und 13,56 MHz, dünne und flache Inlays, Dual-Interface-Inlays, Spritzguss- und umspritzte Etiketten, intelligente Wearables und gewebte Antennen. Dieses Leistungsprofil bietet die passende Hardware für das Datenerfassungssystem, mit dem die Transportverpackungen im Netzwerk ausgestattet werden sollen.

Studio Fren GmbH & Co. KG

Die Schwerpunkte der 2019 in Hamburg gegründeten Studio Fren GmbH & Co. KG liegen im Produkt- und Verpackungsdesign. Auch eigene Prototypen- und Kleinserienfertigungen werden realisiert. Im Verpackungsdesign liegt das besondere Augenmerk des jungen Unternehmens auf der Verwendung neu entwickelter und nachhaltiger, möglichst kompostierbarer Materialien. Dabei wird die Trennung von Umverpackung und Schutzverpackung weitestgehend durchbrochen; im Optimalfall wird nur ein Material für die gesamte Verpackung genutzt. Dies begünstigt wiederum die Kompostierung bzw. die Zuführung in den Wertstoffkreislauf.

Forschungseinrichtungen

TTZ Bremerhaven

Unter dem Dach des 1987 gegründeten Technologie-Transferzentrums (ttz) Bremerhaven arbeitet ein internationales Team aus rund 50 Expertinnen und Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie, Bioökonomie, Aquakultur, Sensorik und Analytik. Zudem begleitet das Institut Unternehmen jeder Größenordnung bei der Planung und Durchführung von Innovationsvorhaben. Als Netzwerkmanagementeinrichtung im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) war das ttz bereits in 13 Kooperationsnetzwerken aktiv. Im Euverion-ZIM-Netzwerk Biopack&transport will sich das Institut an Forschungsvorhaben zur Entwicklung neuer Verpackungs- und Versandlösungen für Lebensmittel beteiligen. Auch könnten im ttz beispielsweise Prototypen von Transportbehältern mit hoher Isoliereigenschaft unter Einsatz von ökologischen Materialien oder der Einsatz von Temperatursensoren und anderer Messtechnik für Lebensmittel in der Lieferkette getestet werden.

Universität Bonn, Institut für Tierwissenschaften

Bereits seit 2003 ist der Schwerpunkt der Arbeitsgruppe am Institut für Tierwissenschaften an der Universität Bonn Kühlkettenmanagement (Cold-Chain-Management). Inhaltlich steht hier die Verbesserung der Lebensmittelqualität und die Steigerung der Sicherheit im Rahmen von Lebensmitteltransporten im Zentrum. Die Forschungsschwerpunkt beinhalten unter anderem die Themen intelligente Verpackungssysteme und kettenübergreifende Sensorsysteme und umfassen somit die Kernthemen von Biopack&Transport. Mit dem ITW steht den Netzwerkteilnehmern ein erfahrener und sehr gut vernetzter Partner zu Seite, der inhaltlich die gesamte Kühlkette abdeckt.

Dieses Netzwerk ist gefördert durch: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Wie werden Sie unterstützt?

Unsere Innovations- und Netzwerkmanager kümmern sich um alle organisatorischen Angelegenheiten rund um Ihre Projekte. Sie

  • führen Markt- und Wettbewerbsanalysen durch und werten diese für die Aktivitäten des Netzwerks aus;
  • koordinieren die konzeptionellen F&E-Arbeiten im Netzwerk und erarbeiten hierfür die technologischen Roadmaps;
  • helfen Ihnen bei der Erarbeitung Ihrer Förderanträge und bei der Kommunikation mit den Fördergebern;
  • unterstützen Sie bei der Erarbeitung von Marketingkonzepten;
  • organisieren Ihre Präsentation bei Messen und Ausstellungen;
  • übernehmen die Abstimmung mit internationalen Partnern, um passende Förderprogramme auszumachen;
  • sorgen für die Wissensvermittlung und Kommunikation zwischen den Partnern und nach außen;
  • managen die Öffentlichkeitsarbeit des Netzwerks.

Wer sind Ihre Ansprechpartner?

Dr. Marc Köppen
Dr. Marc Köppen
marc.koeppen@euverion.com
Michael Anders
Michael Anders
michael.anders@euverion.com

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